Mittwoch, 9. Mai 2012

Das Wetter, das Wetter, das Bier


Robert sagt, ich soll damit aufhören, Hamburg und Wien zu vergleichen. „Klar, sind die beiden Städte verschieden, aber irgendwie ist das auch viel zu mühsam zu erklären.“ Wo er recht hat. Letztendlich liegt der Teufel hier ausnahmsweise nicht im Detail. Natürlich, ich kaufe mir ein Kugel Eis auf der Reeperbahn und denke still bei mir, dass die Österreicher besseres Eis machen – wegen der Nähe zu Italien und so. Muss aber auch gar nicht sein. Könnte sich um reine Einbildung handeln, weil ich nun mal zu gerne in Italien Urlaub mache und die Italienerinnen und Italiener an sich todschick finde. Jedenfalls abseits vom Eisgenuss, der sich in wenigen Minuten wieder erledigt hat, hadere ich im hohen Norden mit einigen Dingen, die viel essentieller sind als Süßigkeiten. In erster Linie nämlich mit dem Wetter.

Das Wetter I – während man sich in Hamburg über 20 Grad und mehr als eine Stunde kontinuierlichen Nicht-Regens freut und vom „Sommer“ spricht (SOMMER???) hat es in Wien 30 Grad, der Himmel ist blau, von früh bis spät, und das länger als nur einen einzigen Tag.

Das Wetter II – Wind, Regen, Sonne, Wind, Sonne, Regen, Sonne, Wind: die Hamburger Wetterentwicklung innerhalb der letzten zehn Minuten.

Ich bin allerdings nicht völlig blind vor Wetterwut. Es gibt ja auch ein paar Dinge, die an dieser Stadt, Hamburg, wirklich cool sind. Zwei davon stellen sich spontan ein:

Der kleine Laden
– in Wien noch kaum etabliert, in Hamburg absoluter Standard. Die Stadt ist voll von kleinen Läden – Lebensmittel, Wein, Kaffee, Designerware, Bücher. In Hamburg ist es nicht schwer individuell zu kaufen. Leben von der Stange kann, muss aber nicht sein.

Der Bierpreis
– ein großes Thema, ein wichtiges Thema. Egal, wie schön der Platz, wie teuer die Läden rundherum, wie hip die Gesellschaft, das Bier in Hamburg ist sehr gut und sehr günstig. Und dann, ein, zwei Bier später, finde ich auch das Wetter in Hamburg ganz ok. Ein bisschen wechselhaft, ein bisschen kalt, aber hey, dafür bleibt das Bier auch lange spritzig.

Dienstag, 3. April 2012

Dirty Harry


Hamburg. Mir ist immer noch schlecht. Nein, eindeutig nein. Der Lakritz Likör „Dirty Harry“ ist definitiv nicht das probate Mittel, um die Deutsche Kultur besser zu verstehen. Dabei hätte alles so schön sein können. Lasse ich meinen Blick mit touristischer Sorgfalt über das Warenangebot hiesiger, sprich hanseatischer, Supermärkte schweifen, habe ich das Gefühl, es gibt kaum ein Lebensmittel, dass nicht auch in der Variante „Lakritze“ oder „Salmiak“ angeboten wird. Vermutlich gibt es auch lakritzfarbenes Toilettenpapier. Ich muss das noch überprüfen.

Ohnehin besuche ich täglich, oft mehrmals unseren EDEKA ums Eck. Es ist nämlich durchaus nicht so einfach, jene Lebensmittel im Ausland zu erwerben, die einem zuhause zur lieben Gewohnheit geworden sind. Semmelbrösel, zum Beispiel, findet man hier eher unter Paniermehl, ist ja auch nicht weiter schlimm. Paniermehl eingepackt, zurück zum Gemüseregal auf der Suche nach Kohlsprossen, die hier einfach viel schöner, nämlich Rosenkohl genannt werden und dann gleich noch am Kühlregal vorbei für den Sauerrahm, den die Deutschen Schmand nennen und der nicht wie in Österreich zwischen Schlag (ja, genau Sahne) und der Milch zu finden ist, sondern neben dem Quark, dem österreichischen Topfen, und ausserdem wirklich ganz anders aussieht als bei uns. Wen wundert’s. So erschöpft mich der Erwerb einiger weniger Waren bereits so sehr, dass ich eine kleine Kaffee- noch lieber eine Bierpause einlege, bevor es dann noch mal zu EDEKA geht, weil Kartoffelklöße doch nicht das Gleiche sind, wie Gnocchi und in der Konfitüre, oder Marmelade oder wie auch immer leider eben ein Lakritz-Anteil von 10 Prozent zu finden ist, der allerdings nicht extra am Etikette vermerkt wurde, da quasi unter der Marginalitätsgrenze. Und ich kann Lakritze wirklich überhaupt nicht leiden.

„Dirty Harry“ steht übrigens noch immer in unserem Kühlschrank. Geöffnet. Vom ursprünglichen Inhalt – 2cl – sind immer noch 1,85 cl übrig. Genippt haben an diesem Fläschchen drei Personen. Eine von ihnen kommt so gar aus Deutschland – und findet es auch eklig.

Dienstag, 27. März 2012

Moin, moin, oder so ähnlich

Es gibt Zeiten im Leben, da setzt man sich aktiv mit der Frage auseinander, in welcher Stadt man Leben möchte. Scheidepunkte. Schulabschluss, Schwangerschaft, Beziehungsende, Jobsuche. Dann wägt man die Möglichkeiten ab, setzt sie in Relation zu den persönlichen Präferenzen – Straßencafé oder eigener Garten – um  dann, irgendwann zu einem Schluss zu kommen. Am Ende steht eine, aus eigenen Überlegungen gewachsene, Entscheidung. Im besten Fall, natürlich. Und dann kommt doch alles ganz anders. Ein unerwartetes Jobangebot, das man selbst unter Einräumung aller, mir bekannter Facetten, menschlicher Verrücktheit, nicht ausschlagen kann oder – und was kann man da noch dagegenhalten: Liebe. Und plötzlich gibt es einen Ort auf der Welt, den man vorher kein bisschen auf dem persönlichen Radar hatte. Von einem Tag auf den anderen verschieben sich Lebensmittelpunkt, Identifikationsort, später Freundeskreis und Heimatgefühl.

Jetzt bin ich also in Hamburg. 1.000 Kilometer entfernt von dem Ort, an dem ich Steuern, Miete und meinen kümmerlichen Rest Nationalgefühls entrichte und versuche mich damit anzufreunden, dass diese Stadt nun zu meiner zweiten Heimat werden soll. Und ich gebe mein Bestes, denn immerhin geht es um die Liebe, meine Liebe, die wiederum ihr Herz an diesen Ort gehängt hat. Ja, wo sie eben hinfällt. Und so übe ich jeden Tag, in dieser Stadt zu hause zu sein.

Und das geht so oder „Hamburg – eine erste Annäherung":
  •   ich wundere mich nicht darüber, wenn ich um 20 Uhr mit „Moin, moin“ begrüßt werde und verbiete mir auch alle Gedanken, die mir bei dieser „Deutsch-deutsch-deutschen“-Begrüßungsfloskel sonst so durch den Kopf gehen
  • im Gegensatz zum Österreicher, der dem Deutschen nicht immer unbedingt absolut freundschaftlich gesonnen ist, mag man uns Österreicher hier ganz gern (sofern sie uns nicht mit den Bayern verwechseln). Ich verzichte also darauf, mir ein „Moin, Moin“ rauszuquetschen – würd eh nur dämlich klingen – und bleibe bei meinem österreichisch gefärbten „Hallo
  • ich verweigere mich der sprachlichen Anpassung allerdings nicht völlig. Der Einfachheit halber bestelle ich „eine Cola“ und eine „Tüte“, man will ja nicht unangenehm auffallen, in erster Linie aber verstanden werden (Ja, ich habs mit „Sackerl“ versucht und bin gescheitert)
  •  ich freue mich über Temperaturen knapp über den Gefrierpunkt und setzte mich auch bei Regen und Nebel ins Freie, weil das Wetter hier gut ist, solange das Thermometer nicht unter Null zeigt
  • abgesehen von meiner frühkindlichen Begeisterung für Pumuckl, den Klabautermann, hielten sich meine bisherigen Berührungspunkte mit der Welt der Seefahrt in Grenzen. In der Hafenstadt Hamburg kommt man da nicht dran vorbei. Ich finde große Schiffe jetzt auch toll, wirklich
  • Lakritze, Naschwerk Nummer Eins der Norddeutsche, kann ich immer noch nicht leiden. Ich habe aber vor, mich demnächst mit Lakritzlikör „Dirty Harry“ zu betrinken. Ob das was gebracht hat, darüber bin ich gerne bereit demnächst zu berichten. Prösterchen!